Teil 5 meiner Atlantiküberquerung – Safety first

Sicherheit – sie steht bei jedem Segeltörn ganz oben und ihr ist ein Grossteil des Trainings gewidmet. Insgesamt ist das Thema aber so umfangreich, dass ich deutlich mehr als einen Blogeintrag damit füllen könnte. Vielleicht werde ich im Anschluss an die Reise nochmal etwas genauer über die einzelnen Aspekte berichten. Aber einen kleinen Überblick sollte es jedenfalls auch hier geben.

Sicherheit bedeutet vor allem, dass die gesamte Crew auf so viele Eventualitäten wir möglich vorbereitet ist. Daher stand auch ganz am Anfang unseres zweiten Trainings ein obligatorischer Tag mit Sicherheitstraining auf dem Programm. Nach einem Vormittag im Klassenraum wurden wir am Nachmittag in den Pool geschickt, um einen ersten Eindruck vom Szenario einer Rettungsinsel von der Wasserlinie aus zu bekommen.

Wow, schon am Vormittag war das Fazit wohl bei allen: Ich möchte niemals das Boot verlassen müssen. In der Praxis bestätigt sich das. Unter idealen Bedingungen im Pool, ohne Wellengang oder Salzwasser, bei idealer Sicht und ohne dass sich irgendwas gross bewegt, ist es schon eine Herausforderung rein- und aus der Insel herauszukommen. Wenn alles verschlossen ist, wird es auch schnell «gemütlich», wenn man dicht an dicht nebeneinander sitzt. So dicht aneinandergedrängt holt auch garantiert irgendwer Geschichten darüber raus, wie er selbst oder ein Freund sich schon einmal bei einer Übung in der Rettungsinsel übergeben hat. Wunderbar denke ich und versuche mich umzusetzen, damit mir mein Fuss nicht einschläft.

Bei einer weiteren Übung spielte ich eine bewusstlose Person, die in die Insel verfrachtet werden sollte. Verfrachtet trifft es dabei ganz gut, denn meine Mitstreiter achteten zwar darauf, meinen Körper zu ziehen und zu schieben, vergassen aber leider meinen Kopf dabei ein wenig.

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(Bob und ich bei einer Übung zur Übergabe verletzter Personen zwischen zwei Booten)

Insgesamt macht es immer Spass, wenn man selbst bei den Übungen etwas zu tun hat. Bei dem Mann über Bord Manöver etwa, macht es auch mal Spass als «Swimmer» ins Wasser gelassen zu werden, um Bob (der Dummy, der immer herhalten muss) zu retten. Dass das Ganze im Ernstfall aber keine spassige Angelegenheit ist, wird auch schnell klar. Die Rettungsmanöver sind nicht einfach, aber in jedem Training und an jedem Tag wird mindestens eines gefahren. Die Routine macht sich auch schnell bemerkbar. Denn schon nach ein paar Wiederholungen funktionieren die Abläufe in etwa einem drittel der ursprünglichen Zeit.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass jemand über Bord geht, gibt es die Sicherheitsleine. Durch die Leine wird eine Verbindung zwischen Mensch und Boot hergestellt, indem man sich wie beim Klettern mit Karabinern an festen Stellen des Bootes einhakt. Warum man auf Deutsch den Begriff «Lifeline» benutzt und auf Englisch von «safety tether» spricht, gehört für mich ebenso zu den unergründlichen Rätseln der Anglizismen wie die Verwendung von «drive in» bei einem Fastfood Geschäft im Deutschen und «drive through (oder thru)» im Englischen. Jedenfalls muss die «Leine» und damit die Verbindung zum Boot ab 15kn wahrem Wind angelegt werden, immer. Das Verhältnis zu meinem «safety tether» ist dabei ein sehr spezielles. Er ist mein bester Freund, da er mir eines Tages das Leben retten könnte und gleichzeitig gibt es nichts nervigeres und anstrengenderes, als sich für jede Handlung an Deck immer wir «umklippen» zu müssen. Doch die Bewegungsfreiheit, die mir geraubt wird, gebe ich gern für die Sicherheit, immer ganz dicht beim Boot zu bleiben.

Als letztes Beispiel der vielen Sicherheitsmassnahmen gehört auch der Materialcheck zur täglichen Aufgabe. «Segel ist auf dem Wasser Dinge reparieren», so oder so ähnlich hört man es immer wieder. Und es stimmt. Es geht immer etwas kaputt, man muss es nur rechtzeitig erkennen. Deshalb werden regelmässig Gänge an Deck und unter Deck unternommen, um alles zu überprüfen, den Motor zu checken und ganz besonders auch das Rigg. Dabei kann es einen schon einmal in schwindelerregende Höhen versetzen. 😉

Das alles sind aber nur kleine Auszüge und Beispiel dafür, wie viel Arbeit die Vorbereitung und das Segeln auf Langstrecke tatsächlich sind. Da es zu Sicherheitsfragen noch so viel mehr spannende Fragen gibt, werde ich dem Thema «mit Sicherheit» aber noch einmal den ein oder anderen Beitrag widmen. Jetzt werde ich mich erstmal einer anderen Sicherheitsfrage zuwenden und schnell zum Arzt, um mich gegen Gelbfieber impfen zu lassen.

Cheers

Caro

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