Sail. Eat. Sleep. Repeat.

Nach dem kurzen Überblick der vielen unterschiedlichen Ereignisse während meiner Reise, geht es heute um den Segelalltag. Segeln, Essen, Schlafen, das waren die letzten vier Wochen auf See in drei Worten. Aber es gibt doch noch ein paar mehr Worte, um das ganze zu beschreiben.

Segeln. Ganz offensichtlich geht es bei der ganzen Geschichte zentral um das Segeln. Und nicht nur einfach so segeln, sondern so schnell wie möglich als Teil einer Regatta. Dazu stehen uns allerlei unterschiedliche Spielzeuge zur Verfügung. Einer meiner Segelkameraden hat es immer sehr schön beschrieben, wenn wir beim Wachwechsel mal wieder die Hälfte der Segel an und unter Deck für die nächste Wache zum wegräumen hinterlassen haben: „We left you all the toys to play with“. Ein paar Grundlagen zum Thema segeln auf einer 70ft Rennyacht:

1. Passage planning / Taktik: Wir segeln über einen Ozean, entsprechend kommt an erster Stelle ganz grob unser Routenplaner. Wo soll es lang gehen. Wenn die ersten Wegpunkte stehen und die grossen Entscheidungen getroffen sind (etwa: geht es innerhalb oder ausserhalb der Azoren lang), geht es an die Frage, wie kommen wir da hin. Mit einem Segelboot kann man leider nicht immer direkt in einer geraden Linie segeln. Also, wie ist der Wind? Segeln wir einen Kurs über Grund oder einen Kurs zum Wind? Bei diesen Fragen hilft der Computer, unser TimeZero. Hier lassen sich Routebeispiele unter Berücksichtigung des Wetters durchrechnen. Es ist wirklich ein spannendes Spielzeug und ich habe sehr viele Stunden vor diesem Bildschirm verbracht. Aber manchmal hilft auch das Anstarren des Bildschirms nichts, es müssen Entscheidungen getroffen werden. Wir alle wissen, das ein Computer immer nur so gut ist wie die Daten mit denen wir ihn füttern. Eine dieser Entscheidungen führte zu Carolas Gybe… Aber dazu später mehr.

2. Sind die ersten Entscheidungen getroffen, wird es schon spannender. Mit welchem Segelplan segeln wir? Konkret, welche unserer sieben Vorsegel hissen wir? Unser Grosssegel haben wir in Protugal gehisst und erst nach einem Monat kurz vor Punta wieder geborgen. Hier haben wir die Möglichkeit mit drei Reffs die Segelfläche zu beeinflussen. Die Frage welche Vorsegel wir setzen hängt von der Windstärke und der Windrichtung ab. Ganz grob: Unsere Yankees 1-3 sind für alle Amwindkurse (Der scheinbare Wind kommt in einem kleineren Winkel als 90° aus einer Richtung vor dem Mast). Die Codes oder Spinnaker oder Kites werden auf einem Raumwindkurs (Der Wind kommt von „hinten“ – hinter dem Mast – in einem Winkel grösser als 90°) geflogen. Daneben haben wir als Joker für wenig Wind noch unseren Windseaker, der nicht ganz den gleichen Regeln folgt. Für diese grobe Regel gibt es nun aber viele Details, die das ganze spannend machen. Jedes Boot hat eine Rumpfgeschwindigkeit, welche die Maximalgeschwindigkeit beschreibt. Als Ausnahme dazu ist ein Boot nur schneller, wenn es mit Hilfe der Wellen surft. Es gilt immer die maximale Geschwindigkeit auf dem bestmöglichen Kurs zu finden. Hierfür ist es unerlässlich das eigene Boot zu kennen. Die Skipperin, die im letzten Jahr das Rennen gewonnen hat, hat in dem Durchgang davor ein Jahr lang Daten gesammelt, um dieses Optimum auszurechnen. Das hat dann auch zum Erfolg geführt. Diese ganzen Rechnungen sind Polars, welche schlussendlich bei der Frage helfen, mit welchem Segelplan auf welchem Kurs wir am schnellsten sind. Hier ein Beispiel dafür, wie diese Daten ausgewertet aussehen können:

IMG_8853

3.. Trimm: Der Segeltrimm ist die Feinjustierung. Denn die Auswahl der Segel ist nur die halbe Miete, wenn diese nicht optimal eingestellt sind. Zum Segeltrimm zähle ich hier grosszügig auch das Steuern hinzu, denn beides muss aufeinander abgestimmt sein. Fährt der Steuermann zickzack Linien, dann hilft auch der beste Trimm nichts. Beides sind Dinge, denen wir in den vier Wochen auf See viel Zeit gewidmet haben. Hier ist die ganze Crew gefragt. Jeder kommt ans Steuer und jeder muss trimmen können. Bei unseren „helming lessons“ wurden wir kreativ und ich hab mich zwischendurch im blind segeln mit verbundenen Augen versucht. Das entsprechende Foto folgt, wenn ich Zurigff auf die ganzen Bilder habe.

Wenn wir in der aktiven Wache sind, halten uns all diese Dinge gut auf Trapp. Die Segel sind schwer und sie zu wechseln ist viel Arbeit, die manchmal von der anderen Wache beendet werden muss. Irgendjemand steuert immer konzentriert die Yacht und getrimmt wird auch immer. Auf einem anderen Boot habe ich das wunderbare Bild gefunden mit Dori aus findet Nemo: „Just keep trimming, just keep trimming, just keep trimming.“

In diesem Sinne!

Cheers

Caro

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